Alles atmet wieder, der Frühling ist da

Die Natur erwacht spürbar zu neuem Leben. Der Frühling klopft an und hüllt die Umgebung in frisches Grün sowie klare Luft. Dieser Anblick und das freie Durchatmen bereiten mir große Freude.

In diesem Augenblick verändert sich der Geruch der Umgebung. Eine kühle Brise streift die Haut, trägt aber bereits eine milde Ahnung von Wärme mit sich. Beim Verlassen des Hauses fällt der Blick zuerst auf die Erde. Zwischen grauen und braunen Winterresten schieben sich die ersten Halme mit Kraft ans Licht.

Die Vögel kündigen die Veränderung bereits seit Tagen an. Ihr Gesang schallt laut und Vielstimmig.

Viele verschiedene Stimmen klingen gleichzeitig. Jede Stimme bringt eine eigene Meinung ein. So entsteht ein großes Ganzes aus vielen einzelnen Teilen. In einer Gemeinschaft bereichert diese Vielfalt das Gespräch. Alle hören einander zu und lernen voneinander. Das stärkt den Zusammenhalt und fördert neue Ideen. durch die Bäume. Diese Unsichtbare Musiker begleiten jeden meiner Schritte. Ich atme mühelos frischen Sauerstoff ein. Ich lockere meine Schultern und entspanne meine Augen. Das schwere Gefühl der kalten Monate verschwindet. Ich erlebe nun viel Licht.

Die Vögel scheinen schon lange zu wissen, was passiert. Der Gesang der Vögel ist lauter geworden, der Gesang klingt mehrstimmig. Wenn ich gehe, begleitet mich das unsichtbare Orchester. Bei jedem Schritt spüre ich das Gefühl, dass ich wieder mehr atmen kann. Die Schultern sinken ein bisschen tiefer, und der Blick wird weicher. Dort, wo im Winter alles eng und schwer war, gibt es jetzt Raum, Raum für Licht, Raum für Farben, Raum für Hoffnung.

An der Hecke entdecke ich winzige Knospen, die voll vom Leben sind und kurz davor zu platzen. Die Knospen fühlen sich fast wie kleine Explosionen an. Auf dem Gehweg hat sich eine kleine Pfütze gebildet, in der sich der Himmel spiegelt. Der Himmel schaut in die Pfütze. Daneben steht eine Blüte, die man beim Vorbeigehen leicht übersehen kann. Und doch ist die Blüte da, wie ein stilles „Ich fange schon mal an“, noch bevor der Frühling wirklich beginnt.

Für mich sind es diese kleinen Szenen, die mich berühren: ein zarter Hauch von dem Blütenduft, das Licht, das abends ein wenig länger bleibt, der erste Marienkäfer, der auf der warmen Mauer sitzt. Nichts Großes, aber genau darin liegt die Kraft. Die Natur macht keinen Lärm daraus, dass die Natur neu beginnt. Die Natur handelt einfach – leise, beharrlich, voller Vertrauen.

Ich fühle, dass der Frühling uns einlädt, zu erinnern, dass auch in uns die Knospen ruhen, die nur auf ein wenig Wärme warten. Ich sehe, dass der Frühling zeigt, dass die Veränderung nicht immer laut sein muss. Ich mache manchmal einen Schritt vor die Haustür, atme bewusst ein, schaue genau hin, und plötzlich spüre ich, dass sich etwas regt, innen wie außen. Ich beginne, wieder zu atmen.



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